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60 Jahre UNESCO-Projektschulen – Eröffnung einer Wanderausstellung im Nürnberger Rathaus

Anlässlich des diesjährigen 60. Jahrestages des Bestehens des internationalen Netzwerkes der UNESCO-Projektschulen bereiteten die vier Nürnberger UNESCO-Projektschulen eine Wanderausstellung zu diesem Thema vor. Nürnberg ist die Stadt in Bayern mit den meisten UNESCO-Projektschulen (Bertolt-Brecht-Schule, Hans-Sachs-Gymnasium, Sigmund-Schuckert-Gymnasium und Rudolf Steiner-Schule), die darüber hinaus intensiv zusammenarbeiten. Deshalb lag es nahe, der Nürnberger Bevölkerung in einer Wanderausstellung diese Besonderheit näher zu bringen.

Auf der Grundlage der Texte und Fotos der letztes Jahr erschienenen Broschüre „UNESCO-Projektschulen Bayern“ wurden von den o.a. vier Schulen gemeinsam einheitliche Rollscreens entworfen. Dankenswerterweise wurde uns von der Bundeskoordination eine großformatige Stellwand „60 Jahre UNESCO-Projektschulen in Deutschland“ zur Verfügung gestellt, die bei der kurz vorher stattgefundenen Bundestagung der deutschen UNESCO-Projektschulen in Karlsruhe zu sehen gewesen war.

Als zentraler Ort für die Ausstellungseröffnung bot sich das Nürnberger Rathaus an. Nachdem langfristig alle Schulleiter der vier Nürnberger UNESCO-Projektschulen sich auf einen Termin festlegen ließen, konnte am 23. Oktober um 18.30 Uhr die feierliche Eröffnung beginnen. Neben Grußworten vom Hausherrn Herrn Dr. Gsell (Schulbürgermeister) und von Herrn Dr. Müller als stellvertretenden Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken gab die Landeskoordinatorin der bayerischen UNESCO-Projektschulen, Frau Steidel-Paschold, einen kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte der UNESCO-Projektschulen. Musikalisch eingerahmt wurde diese Veranstaltung von zwei Solisten (Violine und Akkordeon) der Rudolf Steiner-Schule Nürnberg. Lehrlinge der Hauswirtschaft der Rudolf Steiner-Schule sorgten für die Verköstigung der Gäste.

Diese Ausstellung wird auch bei der Landestagung der bayerischen UNESCO-Projektschulen im November in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen zu sehen sein.

Weitere Fotos: hier

 

Interkulturelles Lernen

Das SSG bietet vielfältige Möglichkeiten zum „interkulturellen Lernen“ und öffnet so den Blick und die Sichtweise unserer Schüler für globale Belange. Im Moment unterhält unsere Schule Beziehungen zu den folgenden Ländern:

Dies geschieht vor Ort bei der Begegnung mit Gastschülern aus aller Welt, die den Schulalltag mit uns teilen. Sie erweitern unseren Blick, eröffnen einen Dialog der Kulturen und tragen zur internationalen Verständigung bei.

Besonders motivierend sind Muttersprachler, die den Fremdsprachenunterricht ergänzen. Bei den „Scottish Days“ erfahren unsere 5. Klassen zum Beispiel von einer Muttersprachlerin Spannendes über Schottland und erlernen einen schottischen Tanz. Auch im Spanisch- und Französischunterricht sind regelmäßig Muttersprachler zu Gast.

Aber auch Brieffreundschaften öffnen den Blick unserer Schüler für globale Belange. Regelmäßig tauschen sich schon unsere 6.Klässler im ersten Lernjahr Französisch mit Schülern unserer Partnerschule auf La Réunion aus. In ihren Briefen schildern sie ihren Alltag in der Schule und in ihren Familien und lernen im Gegenzug die Sichtweise und die Lebenswelt ihrer Brieffreunde kennen und schätzen.

Interkulturelles Lernen findet aber auch im Ausland statt: Lebensgewohnheiten, kulturelle und auch kulinarische Unterschiede selbst einmal miterleben zu dürfen ist sicher eine der aufregendsten Erfahrungen, die der Fremdsprachenunterricht seinen SchülerInnen vermitteln kann. Eine zehnjährige Schulpartnerschaft mit der UNESCO- Projektschule Collège Edmond Albius auf La Réunion und der Austausch mit der Ecole internationale Le Verseau in Bierges bei Brüssel ermöglichen einen regelmäßigen Schüleraustausch.

Daneben unterhält das SSG einen regen Austausch via Skype von Klassenzimmer zu Klassenzimmer mit einer High School in Little Falls, New Jersey, USA, einer Schule in Chennai, Indien und seit dem Schuljahr 20012/13 auch mit einer UNESCO-Projektschule in Athen. Daraus ergeben sich zum einen interessante Projekte z.B. zu den Themen Einwanderung und kulturelles Erbe und zum anderen fast zwangsläufig auch der Wunsch nach einem persönlichen Kennenlernen. Dieser wurde mit einem Besuch von Schülern der Oberstufe des SSG an der Passaic Valley High School verwirklicht.

Besonders intensive Kontakte zu Jugendlichen aus ganz Europa entstehen bei den Jahrestreffen der europäischen Jugendorganisation FACE (Fédération d’Associations de jeunes Citoyens Européens) und bei den Comenius-Projekten. Die Schüler unserer Schule lernen Altersgenossen in den Partnerländern kennen, arbeiten an gemeinsamen Aufgaben, entdecken ihr gemeinsames europäisches Erbe, schließen grenzübergreifende Freundschaften und vertiefen fast nebenbei ihre Fremdsprachenkenntnisse.

 

Welterbe

Die Beschäftigung mit dem UNESCO-Welterbe-Gedanken findet durch die regelmäßige Teilnahme am bayerischen UNESCO-Jugendforum statt. Dieses Forum führt jedes Jahr Schülerinnen und Schüler aller bayerischen UNESCO- Projektschulen zusammen. Schulartübergreifend arbeiten sie in Arbeitsgruppen und Exkursionen zu UNESCO-spezifischen Themen. So zum Beispiel 2012 zum Thema „Welterbe verstehen und annehmen“.

Regelmäßig besuchen die SchülerInnen der 7. Klassen Trier, Deutschlands älteste, als Augusta Treverorum von den Römern gegründete Stadt. In selbst erstellten Führungen erkunden sie das UNESCO-Kulturerbe. Sie lassen sich von einem Gladiator und Legionär im Amphitheater und in der Porta Nigra in die Zeit der Römer entführen und begeben sich auf Schatzsuche im Rheinischen Landesmuseum.

Zahlreiche Exkursionen und Fahrten zu Weltkulturerbe-Stätten in der näheren Umgebung, z.B zur Welterbe-Stadt Bamberg oder auch in der Ferne, z.B. in Jerusalem oder im Rahmen des Schüleraustausches auf der Insel La Réunion, deren einzigartige Vulkanlandschaft auf der Welterbeliste der UNESCO steht, dienen auch der Wertschätzung und Bewahrung unseres kulturellen Erbes.

Der Freistaat Bayern hat den Nürnberger Schwurgerichtssaal 600 für die Aufnahme ins Weltkulturerbe der UNESCO vorgeschlagen. Der Saal gilt als Geburtsort des Völkerstrafrechts. Dieses Bemühen des Freistaats zusammen mit der Stadt Nürnberg verfolgen wir an unserer Schule mit großem Interesse. Nicht zuletzt, weil Elftklässler des SSG am Audioguide für das neueste Museum der Stadt Nürnberg mitgewirkt haben. Das Memorium Nürnberger Prozesse befasst sich mit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Ein Jahr lang haben unsere Schüler an den Jugendaudioguides gearbeitet und dabei auch mit hochkarätigen Zeitzeugen, wie z.B. dem Chefankläger Benjamin Ferencz, Gespräche geführt.

 

Intergration und Inklusion

Die Inklusion von SchülerInnen mit körperlichem oder mentalem Handicap ist uns ein wichtiges Anliegen.

Das Projekt mit dem Titel „Anders – na und?“ für die 7. Klassen hat zum Ziel die Empathiefähigkeit der Schüler zu fördern und Berührungsängste abzubauen. Hierbei lernen die SchülerInnen während einer Exkursion Menschen kennen, die „anders“ sind, z.B. im Rahmen einer Stadtführung durch Verkäufer des Obdachlosenmagazins Straßenkreuzer oder bei dem Besuch einer Behinderten- werkstatt. An drei Projekttagen erarbeiten die SchülerInnen dann im Klassen- verband eigene Projekte, die sie ihren MitschülerInnen vorstellen bzw. an denen diese aktiv teilnehmen können. So entstand in diesem Schuljahr zum Beispiel ein Parcours, in dem man sich in einen Menschen mit Handicap hinein versetzen kann. Sie drehten Filme über Armut und Obdachlosigkeit, spielten kleine Theater- stücke, organisierten einen Hilfsbasar und entwarfen eine SSG- Weltkarte, auf der die Schüler ihre Herkunftsländer markieren konnten.

 

Globales Lernen

Seit dem Schuljahr 2010/11 unterstützt das Sigmund-Schuckert-Gymnasium das durch den ehemaligen Bundeskoordinator initiierte Projekt „Modellschulen für Tansania“. Bei einem Spendenlauf, an dem sich neben der gesamten Schulfamilie des SSG auch andere Nürnberger UNESCO-Projektschulen beteiligten, kamen über 5000 Euro zusammen. Diese Unterstützung soll langfristig angelegt sein. So fließen immer wieder die Erlöse von Aktionen, die während des Schuljahres durchgeführt werden auf das Spendenkonto von „Schools for Africa“.

Die 8. Klassen spenden regelmäßig gegen Ende des Schuljahres einen Tag lang ihre Arbeitskraft und können so die Initiative „Mein Tag für Afrika“ mit einer respektablen Summe unterstützen.

In zahlreichen Projekten unterschiedlicher Fächer lernen unsere Schüler, wie sie persönliche Mitverantwortung erkennen, annehmen und zunächst auf lokaler und regionaler Ebene, später auch im globalen Rahmen handelnd umsetzen können und somit ihren Beitrag leisten für eine lebenswerte Zukunft für alle in der Einen Welt. Stellvertretend sei ein Projekt im Ethikunterricht zu „schmutziger Schokolade“ genannt, das die Herstellungsbedingungen von Kakao vor allem in Ghana thematisiert. Auf Plakaten im Schulhaus und durch eine Unterschriftensammlung unter Schülern und Lehrern, unterstützt das SSG einen Aufruf an die großen Schokoladenfirmen, die Kindersklaverei abzuschaffen und für eine gerechte Bezahlung der Kakaobauern zu sorgen.

 

Menschenrechts- Demokratie- und Friedenserziehung

Zu diesem Themenbereich führt das SSG eine ganze Reihe von Projekten, Veranstaltungen und Seminaren durch, häufig auch in Zusammenarbeit mit externen Partnern, wie dem Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg, dem Partnerschaftsverein Charkiv-Nürnberg und dem Nürnbeger Amt für Internationale Beziehungen. Sie schärfen den Blick der beteiligten SchülerInnen für kommunale Strukturen und Institutionen über die Schule hinaus. Hier seien nur einige von ihnen genannt:

Seit 2007 gibt es am SSG einen AK Menschenrechte. Er arbeitet eng mit dem Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg zusammen, der bundesweit ersten kommunalen Anlaufstelle für Menschenrechtsverletzungen. Regelmäßig beteiligen sich die TeilnehmerInnen des AK an Aktionen und Projekten, treffen namhafte Menschenrechtsaktivisten und arbeiten selbständig an Themen, die sie interessieren. Für das gesellschaftliche Engagement des AK wurde den SchülerInnen 2011 der Karl-Heinz-Hiersemann-Preis verliehen. Stellvertretend für die Vielzahl an Projekten und Veranstaltungen sind hier zu nennen:

  • Mitwirken an einer 45-minütigen Fernsehdokumentation des Bayerischen Rundfunks über den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.
  • Begegnungen mit Zeitzeugen wie dem Friedensaktivisten Reuven Moskovitz oder mit Mitgliedern der Jury des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises, z.B. Rajmohan Gandhi (Enkel Mahatma Gandhis) und Maître Jacoby.
  • Lesung selbst verfasster Texte über prägende Kriegserlebnisse der Schülerfamilien anlässlich des Volkstrauertags und des Holocaust-Gedenktages 2010.
  • Diskussion mit Trägern des Nürnberger Menschenrechtspreises, z.B. mit Hollman Morris, über die Situation in Kolumbien, Zivilcourage und Menschenrechtsverletzungen weltweit.
  • Teilnahme an der Nürnberger Friedenstafel und Gestaltung von Info-Points, an denen Besucher der Tafel mit renommierten Menschenrechtsaktivisten in Konkakt kommen.
  • Regelmäßige Teilnahme am Nuremberg International Human Rights Film Festival und dem Filmfestival Türkei-Deutschland: Durch die Beschäftigung mit Filmen zu verschiedenen Themenbereichen werden die SchülerInnen besonders sensibilisiert und motiviert, die eigene Situation aber auch die Situation von Menschen anderswo auf der Welt kritisch zu reflektieren.
  • Diskussionsveranstaltung mit Mitgliedern der Untersuchungsausschüsse des Deutschen Bundestags und des Bayerischen Landtags zu den NSU-Morden.

Im Rahmen der Berlinfahrt haben die SchülerInnen des Sigmund-Schuckert- Gymnasiums nicht nur die Möglichkeit ihr in den Fächern Geschichte und Sozialkunde erworbenes Wissen über die Relevanz der Bundeshauptstadt zu vertiefen. Vielmehr geht es auch darum, die Jugendlichen für die Anforderungen einer globalisierten Welt zu sensibilisieren. So findet mittlerweile traditionell ein Freundschaftsspiel mit den elterlosen Migranten der EVIN e.V. statt. Hier stoßen unsere Schüler auf junge Menschen, die ohne Eltern in Deutschland „stranden“ und von diesem Verein unterstützt werden. Das gemeinsame Grillen im Anschluss öffnet manchem ein Fenster zu vollkommen anderen Lebenswelten. Ebenso ist Fahrt dahingehend ausgerichtet, dass die jungen Erwachsenen „einen Blick über den Tellerrand riskieren“ können.

Der Besuch der Gedenkstätte Flossenbürg sensibilisiert die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen für die Folgen eklatanter Menschenrechtsverletzungen und motiviert sie so zum Einsatz für die Bewahrung von Menschenrechten. Durch die Beschäftigung mit den Lebensgeschichten der Gefangenen und ihrer Familien bekommen die Geschundenen und Verstorbenen ein Gesicht.

Regelmäßig beteiligen sich Klassen und AGs des SSG am Bundeswettbewerb für politische Bildung. Zum Thema konventionelles Hähnchenfleisch versus Bio- Hähnchen entstanden z.B. Plakate und ein selbst gefertigtes Radio-Feature als Wettbewerbsbeitrag.

Im Rahmen der Pol&IS-Simulation zur Internationalen Politik und Sicherheit beschäftigen sich Schüler ab der 10. Jahrgangsstufe jedes Jahr intensiv mit Aspekten der internationalen Friedenspolitik.

Ein politisches Großereignis fand im Schuljahr 2011/12 statt. „Quo vadis, Bundeswehr?“ fragten wir den Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Christian Schmidt (CSU), Jens Hauschild, Militärpfarrer der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München, Brigitte Lischka vom Bayerischen Roten Kreuz Nürnberg, und Hauptfeldwebel Frank Hartung, der gerade von einem Afghanistan-Einsatz zurückgekehrt war. Krieg in Afghanistan – Aussetzung der Wehrpflicht, das waren Themen, die die Gemüter der Anwesenden heftig erhitzten.

Das FACE-Treffen 2011 „Yes to respect – no to racism“ mit Jugendlichen aus 10 europäischen Ländern zum Thema Menschenrechte und die Teilnahme der gesamten Gruppe an der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises an den iranischen Anwalt Abdolfattah Soltani war ein prägendes und unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten.

Im Juli 2013 führte das SSG in Kooperation mit dem Partnerschaftsverein Nürnberg-Charkiv eine Jugendbegegnung zum Thema „Kriegsgewalt und Menschenrechte: Nürnberger und Charkiver Schüler auf den Spuren einer gemeinsamen Vergangenheit“ durch. Nürnberger und Charkiver Schüler kamen in Charkiv zusammen, um die Erinnerungen an Krieg und Gewalteinwirkung während des 2. Weltkriegs im jeweiligen Familiengedächtnis aufzuzeichnen. Sie erfuhren, wie vor diesem Hintergrund die Menschenrechte formuliert und zum universalen Standard wurden. So wurden Ansatzpunkte für ein weiteres Engagement für Frieden und Menschenrechte in Ost und West entwickelt. Diese Begegnung wird im Juni 2014 in Nürnberg weitergeführt.